Teilweise im Original mit dt. Untertiteln
Inhalt:
Was passiert mit der Nahrung, nachdem sie unseren Körper verlassen hat? Ist es Abfall oder eine wertvolle Ressource? Regisseur Rubén Abruña untersucht diese Fragen in 16 Städten auf vier Kontinenten. In Uganda verwandeln die Poop Pirates Fäkalien in sicheren Dünger, in Schweden gelingt einem Ingenieur ähnliches mit einer Trockentoilette. In Hamburg und Genf gibt es Wohnkomplexe mit dezentralen Kläranlagen, die aus menschlichen Exkrementen Strom erzeugen. Auf seiner Reise entdeckt Abruña, dass das Recyclen von Fäkalien weltweit zu Ernährungssicherheit, Hygiene und Klimaschutz beitragen kann.
Umsetzung
Der themenbezogene Dokumentarfilm verbindet Formen des investigativen Dokumentarfilms mit Elementen des konstruktiven Journalismus. Investigativ ist der Film, weil ein wenig bekannter Sachverhalt aufgegriffen und aus mehreren, bisher weitestgehend unbekannten Perspektiven beleuchtet wird. Dabei wird größtenteils ein anklagender Ton vermieden. Durch den Film zieht sich die erklärende Kommentarstimme des bekannten Schauspielers Christoph Maria Herbst, Menschen vor Ort kommen zu Wort und Best Practice-Beispiele werden vorgestellt. Die Forschungspraxis des Omega Center for Sustainable Living Rhinebeck, New York, das Engagement der Poop Pirates in Kampala in Uganda, die Arbeit von Hamish Skermer für Musikfestivals in England, der Toiletten-Designer und Ingenieur Carl Lindstrom und die Wohninitiativen in Hamburg oder Genf zeigen, was möglich ist und was in größerem Stil möglich wäre, wenn es mehr politische und gesellschaftliche Unterstützung geben würde. Die Reisen zu den zahlreichen Handlungsorten werden immer wieder gezeigt. Filmemacher Rubén Abruña bewegt sich in wechselnden Fahrzeugen fort, auf deren Dach ein Objekt zu sehen ist, das große Ähnlichkeit mit dem Kackhaufen-Emoji hat. Damit zitiert er die Bild- und Objektsprache der sozialen Medien und adressiert eine damit vertraute junge Generation.
Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit
Ernährung ist ein zentrales Nachhaltigkeitsfeld, doch was mit der Nahrung passiert, wenn sie unseren Körper wieder verlässt, ist in diesem Kontext bisher jedoch kaum relevant. Über menschliche Exkremente zu sprechen ist nicht einfach, man könnte sagen, es ist ein Tabuthema. Der Film hakt genau an dieser Stelle ein und versucht das Reden über menschliche Fäkalien zu normalisieren. Im Zuge dessen werden mehrere Themenbereiche behandelt, die sich mit Fragen nachhaltiger Entwicklung beschäftigen. Im Gespräch über Abwasserwirtschaft lassen sich Herausforderungen bei der Versorgung mit (sauberem) Wasser herausarbeiten und die weltweite Wasserknappheit in den Blick nehmen. Gemeinsam können Überlegungen dazu angestellt werden, wie Ökosysteme zur effektiven Abwasserreinigung genutzt und inwiefern Kompost und Klärschlamm zu organischem Dünger für eine nachhaltige Landwirtschaft beitragen können. Die konkreten Best-Practice-Beispiele zeigen dabei, dass weltweit bereits innovative Ideen entwickelt wurden, um menschliche Fäkalien effektiver und ressourcenschonender wieder in den Kreislauf einzubinden, und welche Infrastrukturen dafür notwendig sind.
»Ein gelungenes filmisches Beispiel dafür, wie Forschung, Innovation und Nachhaltigkeit als etwas Positives, Spannendes vermittelt werden können.«
Christian Klosz | filmpluskritik.com | Wien